Geistliches Wort

Hier finden Sie Gedanken zum Thema des Sonntags im Kirchenjahr.

 

Sonntag Judika 2020

Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.            Neues Testament, Hebräerbrief  Kapitel 13

 

Wo hört der Affe auf, wo fängt der Mensch an? Sozusagen? Beim aufrechten Gang wohl kaum. Wo einer sich im Spiegel sieht und sich nicht fragt: wer ist das denn? sondern weiß: das bin ich? Nein, das wissen auch manche Tiere.

 

Wo fängt der Mensch an, sich von seiner biologischen Herkunft zu erheben und noch etwas anderes zu sein, ein Gegenüber? Nicht nur ein Teil der Natur, sondern ein Wesen, das über das Ganze auch noch nachdenken kann? Gibt es einen Punkt, von dem ab wir das bestimmen können?

 

Manche sind der Meinung, das beginnt da, wo der Mensch seine Toten nicht einfach liegenlässt. Nein, er verscharrt sie auch nicht einfach. Sondern mehr: er gibt seinen Toten Zeichen mit. Und Gaben für die, wer weiß, lange Reise.

 

Viele Wissenschaftler datieren mit dem Aufkommen von Bestattungsriten den Beginn des Menschlichen. Als man sich bewusst wurde, dass dies hier ein Gastspiel von begrenzter Dauer ist. Das Wissen, dass wir hier keine bleibende Stadt haben, sitzt in uns. Und daraus kommen Kultur, Dichtung und Musik und Malerei und Zerstreuungen vieler Art.

 

Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden, so formuliert es ein Psalmbeter. Wenn wir hier schon keinen bleibenden Ort haben, dann soll uns diese bittere Erkenntnis wenigstens zur Weisheit verhelfen. Aber wie soll so eine Weisheit aussehen?

 

Zuerst einmal, vielleicht, so: Dass wir nicht versuchen, irgendwelche Bollwerke gegen die Endlichkeit zu errichten. Seien es Eigenheime – deine Enkel schon werden nicht mehr drin wohnen. Oder seien es Bauwerke für die Ewigkeit. Auch wenn manche, so die Pyramiden, vielleicht sogar uns Menschen überdauern werden. Vielleicht aber auch nicht. Oder seien es Lehren oder sonst wie scheinbar sichere Erkenntnisse. Ich vermute, es gibt davon nichts, nichts menschlich Geschaffenes, das uns den Passierschein für die Ewigkeit schaffen könnte.

 

Gut, du lebst vielleicht in deinen Nachkommen weiter, fragt sich aber, ob du es merken wirst. Und ob es nicht doch nur deine Nase sein wird oder dein Geschick mit den Händen. Oder du kratzt deinen Namen in einen Felsen ein – ach was, das verwittert auch irgendwann.

 

Der Schreiber des Hebräerbriefes verweist auf Jesus, wenn er uns aufzeigen will, wie das mit der Endlichkeit ist. Worauf soll ein neutestamentlicher Autor auch sonst verweisen, meinen Sie vielleicht. Als der das zu Pergament brachte, war der Verweis auf Jesus aber eher kurios.

 

Er verbindet nämlich deine und meine Hinfälligkeit mit der Gegenwart Gottes. Wir Menschen mögen das nicht: all die Zeichen von Vergänglichkeit. All diese Verweise darauf, dass ich die besten Zeiten womöglich hinter mir habe. Wer will das hören. Oder gar sehen oder riechen. Und ausgerechnet in diesem Zusammenhang zu sagen: Hier ist Gott, das ist auch heute nicht selbstverständlich.

 

Wenn wir sagen: Das war einfach göttlich, dann haben wir gewiss ganz anderes vor Augen als unsere Vergänglichkeit. Der Verfasser dieser Zeilen führt uns nach draußen, wo nichts ist außer der Angst und der Einsamkeit. Er führt uns sozusagen auf den Galgenberg, wo Jesus sein Ende fand, und sagt: Hier musst du Gott suchen. Nicht da, wo sie alle sind und sich austoben.

 

Als diese Zeilen aufgezeichnet werden, ist der schöne Tempel, den man für einen besonderen Fahrkartenschalter der Ewigkeit gehalten hat, längst zerstört worden. Was wahrhaft göttlich ist, war darin womöglich nicht zu finden. Es ist eher Gottes Gegenwart im Menschen selbst, woraus fließt, was den Menschen einst dazu brachte, seine Toten zu bergen, sie zu begraben und zu betrauern, sie zu sichern vor den Raubtieren.

 

Dann aber: Nach vorn zu schauen.

 

Der Mensch wird so nach Schicksalsschlägen seine Toten bergen, wird sie betrauern und begraben. Er wird die Trümmer räumen und auf ihnen neu aufbauen. Nichts Ewiges, aber das, was unser endliches Leben eben ausmacht. Er wird Kinder zeugen und kriegen und wird sich Sorgen machen und wird grübeln und auch seine Freuden haben. Wird Häuser bauen, für heute und vielleicht auch morgen. Danach sehen wir dann weiter.

 

Und da, wo der Mensch dann erkennen muss, dass er hier doch keine bleibende Stadt hat, wird Gott dann auf ihn warten. Draußen vor der Tür, sozusagen. Da wird Gott seinen aufrechten Gang stützen. Wie er das gemacht hat mit Jesus, von dem man auch meinte, der sei am Ende.

Amen, bleiben Sie gesund -

 

 


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