Ostern 2021: Das Zeichen des Jona                        Pastor Andreas Lux

 

Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Bauch der Erde sein.

                                                                    Matthäusevangelium 12,39

 

Am dritten Tage auferstanden von den Toten : Da hat einer gezählt.

 

Ich habe mich oft gefragt, was es mit dem dritten Tag wohl auf sich hat. Und ab welchem Datum sie überhaupt gezählt haben: war der Tag seines Todes schon der erste Tag? Dann wäre der dritte Tag der Sonntag, also der Tag nach dem Sabbath, und so berichten es auch die Auferstehungsgeschichten.

 

Eigentlich ist der dritte Tag damals aber nichts anderes als: Dienstag. Das wurde so gezählt: Sonntag ist der erste Tag, der Sabbat-Samstag der letzte, siebte. Der dritte ist Dienstag.

 

Jesus selber sagt seinen Jüngern, er werde nach drei Tagen auferstehen. Und dann, um das Ganze noch zu verkomplizieren, gibt es den Hinweis auf die Jona-Geschichte aus dem Mund Jesu. Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Bauch der Erde sein. Dann fiele die Auferstehung auf Montag.

 

Das kann man dann hin- und herdrehen.

 

Aber die Drei soll es wohl in jedem Fall sein, so oder so. Wenn Sie einen Sinn für Zahlenmystik haben, sind Sie mit der Drei auch gut bedient. Über die Drei findest du im Lexikon des Aberglaubens eine ganze Menge. Von der göttlichen Trinität über das Dreieck bis zum Dreimal im Märchen und dreimal auf Holz klopfen. Mit derlei Überlegungen könnt ich die ganze Predigt füllen! Will ich aber nicht.

 

Dass man die Tage zählt, das kennen wir aus andern Zusammenhängen auch. Noch soundsoviel Tage, bis du endlich - was auch immer. frei bist. deine Ruhe hast. deinem Ziel ein Stück näher bist. Bis Weihnachten, bis zur Geburt, bis zur Rente. Manche haben dafür eigens ein Maßband, an dem sie jeden Tag einen Zentimeter abschnippeln. So wird ganz augenfällig, dass die Zeit doch vergeht, gut abgezählt und abgeschnitten.

 

Und nicht nur Tage, sondern Wochen, ja Monate zählen wir alle mittlerweile wohl. Wann das Corona-Elend endlich ein Ende hat. Gejährt hat es sich längst, dreimal vier Monate und mehr schon hängt es über uns und trübt uns das Leben. Da fängt man womöglich auch an zu zählen. Wie lange wir womöglich noch warten müssen, bis –

 

Ja bis alles wieder so ist wie vorher.

 

Das wird, glaube ich, niemals sein. So wie vorher!

 

Dies hat sehr viel mit Tod und Auferstehung zu tun, mehr als wir vielleicht glauben. Denn diese merkwürdige Frist zwischen dem Tod Jesu und der Begegnung mit dem Auferstandenen hat eine Bedeutung. Sie ist die Zeit der Verwandlung. Und auf die Drei kommt es dabei fürs Erste gar nicht an. Dass Jesus selbst das Bild des Profeten Jona benutzt, das finde ich hingegen sehr bezeichnend.

 

Jonas bekommt im Alten Testament von Gott den Auftrag, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Er fürchtet sich vor so einem Nawalny-Schicksal und reißt aus. Er flieht aufs Meer. Um den tobenden Sturm, der sich seinetwegen erhoben hat, zu beruhigen, lässt er sich in die See werfen. Dort verschluckt ihn ein gewaltiger Fisch. Nach drei Tagen spuckt er den Profeten schließlich an Land.

 

Soweit in Kürze diese Geschichte, die Jesus als ein Vorbild für das eigene Ergehen versteht. Jonas muss in den Bauch des Tieres, um als ein anderer, verwandelt daraus hervorzugehen. Nun nämlich traut er sich, seinen Auftrag auszuführen.

 

Auch Jesus geht als ein anderer aus dieser Verwandlung hervor. Aus dem Wanderprediger, der wie ein Kind auf seinen Pappi vertraut hat, wie er Gott oft nannte, aus dem kindlichen Menschen, der am Kreuz seinen Papa verloren hatte, ist der Christus geworden, wie ihn die Ikonen der Ostkirche am treffendsten malen.

 

Sie können es auch anders fassen. In zweitausend Jahren Christentum hat man das immer wieder getan. Das, was Jesus widerfahren ist in jenen drei Tagen und drei Nächten, was das für eine Verwandlung war: das muss jede Zeit sich neu beantworten, glaube ich.

 

In jedem Fall wird das auch etwas mit dir und mir zu tun haben. Sonst könnten wir uns das Osterfest schenken.

 

Schließlich lebt jede Religion davon, dass wir selber verwandelt werden. Einerseits möchten wir das gar nicht, es könnte auch unangenehm sein. Und was vertraut ist, wäre mit einem Male weg. Der Spatz in der Hand ist allemal besser als die Taube auf dem Dach.

Aber andererseits gibt es doch auch das, dass ich mich nach der Verwandlung sehne. Dass sich etwas ändert: In meinem Leben, und vielleicht auch an mir. Natürlich: Besser wird. Die Sehnsucht nach der Verwandlung ähnelt dem Fernweh: Da hinterm Horizont, ganz weit weg, ist es schöner als hier, die Bäume grüner und die Leute netter. Aber das ist nicht alles. In uns steckt vieles, das kommt einfach nicht richtig heraus, obwohl es doch will.

 

Selten möchte man in etwas ganz anderes verwandelt werden. Aber auch das mag es geben, wenn der Überdruss an der eigenen Person zu groß wird. In jedem Fall gibt es beides: Verzauberung und Furcht. Verwandelt werden wir meistens dann, wenn unser Leben in eine Krise gerät. In die Krise, die jeder durchmachen muss: die Pubertät zum Beispiel.

 

Die hat jeder von uns durchgemacht. Und ich erinnere diese Jahre nicht als glückliche Zeit. Irgendwie war man doch nicht ganz da. Nicht zufällig beschreiben Wissenschaftler die Pubertätsjahre als Baustelle, auf der zeitweise nichts da ist, wo es vorher war. Und bei der das Bauwerk hinterher ein ganz anderes ist als vorher. Wenn wir einer jungen Frau gegenüberstehen, die nun Zwanzig ist, und wir haben sie als Elfjährige zuletzt gesehen, dann wissen Sie, was ich meine.

 

Diese merkwürdigen Übergangsjahre sind wie das Dasein des Jona im Bauch des Fisches. Es gibt noch mehr solcher Nachtmeerfahrten, denen wir uns aussetzen müssen und werden. Die Fünfziger, oder das Altwerden. Oder Krisen, die uns überfallen: Krankheit, der Tod eines Menschen. Verlassenwerden, Entlassenwerden, Vertrieben werden oder bloß Umziehen. Verwandelt werden wir von außen und nicht durch einen Beschluss von uns selber.

 

Verwandelt zu werden gehört zum Kern unseres Glaubens. Schließlich und endlich nicht mehr nur der zu sein, der dir im Spiegel entgegenblickt. Sondern mehr und anderes. Das Leben ist nicht ein Sein, sondern ein Werden, sagte Luther einmal, und er hat damit erfasst, dass wahrscheinlich unser ganzes Dasein unter dem Zeichen der Verwandlung steht. Auch wenn wir gerade das nicht haben wollen.

 

Obwohl wir doch endlich die sein wollen, die wir in Wirklichkeit sind.

 

Es wird uns auch widerfahren, glaube ich. Im Leben oder erst im Tod, und viel können wir nicht dazu beitragen. Das Leben arbeitet an uns und damit Gott, und wir können ihn nur machen lassen.

 

Amen

 

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